September 2005
Neuste Nachricht vom Sternberg !
Konflikt in Taybeh/Palästina
in Taybeh (Palästina) kam es Anfang September zu einem Konflikt, der uns und unsere Arbeit auf
dem Sternberg direkt betrifft. Mit den folgenden Texten und Bildern wollen wir Euch informieren und um Unterstützung bitten
:
Mit großer Betroffenheit haben wir von einem Zwischenfall in Taybeh erfahren, einem Ort wenige
Kilometer nördlich von Ramallah im Westjordanland. In diesem fast ausschließlich durch Christen
bewohnten Dorf wurden am 4. September durch aufgeregte Einwohner eines Nachbardorfes 14 Häuser niedergebrannt.
Auch das Haus der Familie von Rawda Ma’rouf Khouriyeh, der Leiterin des Rehabilitationszentrums auf dem Sternberg,
ist davon betroffen. Den Hintergrund dieses Gewaltausbruches bildet eine Liebesbeziehung zwischen einem jungen
Mann aus Taybeh und einer jungen Frau aus dem Nachbardorf. Sie war schwanger geworden und daraufhin von ihrer
Familie getötet worden.
(aus: Herrnhuter Bote 10/2005)
Thomas Przyluski
Evangelische Brüder-Unität/Herrnhuter Brüdergemeine
Öffentlichkeitsarbeit
Mai 2005
Gewürze, Olivenöl und Bienen
In Palästina geben die kleinen Dinge Hoffnung
Sich von eigener Arbeit ernähren können. Den Lebensunterhalt nicht durch Spenden, Zuwendungen oder Almosen
bestreiten zu müssen. Davon träumen viele Menschen mit Behinderungen. Auch in Palästina.
Gewürze, Olivenöl und Bienen. Kleine, fast zarte Dinge, die im heutigen Palästina besonderen Schutz brauchen. Sie
bilden den Kontrast zur starken israelischen Militärpräsenz. Straßensperren, abgeriegelte Städte, allgegenwärtige
Kontrollen bestimmen den Tagesablauf und sorgen für eine bedrückende Stimmung. Nicht nur bei europäischen
Gästen. Bei vielen Palästinensern ist eine große Skepsis und Resignation zu spüren, dass sich an der gegenwärtig hoffnungslosen
Situation irgendetwas zum Besseren ändern könnte. Positivere Töne sind meist von Zweckoptimismus
getragen, etwa von Leuten, die investieren und verdienen wollen.
Zuversicht auch auf dem ›Sternberg‹: Inmitten der Einschränkungen macht nicht nur die Vermarktung eigener
Produkte Hoffnung. Der Resignation, die sie umgibt, setzen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein sehr hohes
Engagement in der Arbeit und eine starke Identifikation mit der Einrichtung entgegen. Mit viel Aufwand haben sie
kürzlich den ersten ›Tag der offenen Tür‹ seit sechs Jahren organisiert. Dass eine christliche Einrichtung im islamisch
geprägten Palästina anerkannt und geschätzt wird, wurde gerade an diesem Tag deutlich. Ranghohe Vertreterinnen und
Vertreter verschiedener Ministerien der palästinensischen Selbstverwaltung und der stellvertretende Gouverneur der
Region überzeugten sich vor Ort von der Rehabilitationsarbeit auf dem ›Sternberg‹.
Thomas Przyluski< /font>
Ostern 2005
Liebe Freundinnen und Freunde des Sternbergs!
Sohear sitzt im Rollstuhl. Sie strahlt
über das ganze Gesicht. Mit ihren neun Jahren kann sie zwar sprechen, doch nur
ihre Familie und Erzieher verstehen sie. Täglich holt sie der Bus vom Al Jelazoen Camp zum Sternberg.
Hier lernt sie in einer Klasse mit zwei anderen Kindern. Es sind alles
Kinder mit schweren Behinderungen. Mühsam erlernen sie alltägliche
Handgriffe. Für eine kurze Zeit gelingt es Sohear, sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren.Sie kann inzwischen selbständig essen.
Sohear, die seit ihrer Geburt behindert ist, hat noch drei Schwestern und einen
Bruder. Der Vater verdient wenig. Sein Beitrag für die Schule seiner Tochter ist
äußerst bescheiden. Nur mit der Unterstützung durch Spenden erhält Sohear ihre Chance.
Wir freuen uns, dass Sie unser Zentrum für Kinder und junge Menschen mit Behinderungen,
den „Sternberg“ bei Ramallah, unterstützen. So können Sohear und andere Kinder gefördert, betreut und
unterstützt werden.
Vor wenigen Tagen haben wir den Jahresbericht erhalten. Intensiviert wurden im vergangenen
Jahr die Arbeit in den Dörfern und der Bereich hauswirtschaftliche und landwirtschaftliche
Ausbildung. Gerne schicken wir Ihnen den zehnseitigen Bericht in Englisch und Deutsch sofort
zu.
Mit Ihnen wollen wir in diesem Jahr den „Sternberg“ weiter
ausbauen. Dazu gehört, dass in wenigen Wochen das neue Gewächshaus für die
landwirtschaftliche Ausbildung betriebsbereit sein wird.
Wir danken Ihnen für Ihre Unterstützung und freuen uns, wenn
Sie unser Zentrum auch in diesem Jahr begleiten. Gemeinsam wollen wir die
Freude und das Licht von Ostern zu den Menschen tragen, die im Schatten stehen.
Ein frohes Osterfest wünscht Ihnen
Ihr Frieder Vollprecht
Jahresbericht 2004 zum herunterladen
September 2003
Liebe Freundinnen und Freunde des Sternbergs!
Frieden zwischen Israel und Palästina? Die Kinder vom Rehabilitationszentrum Sternberg
bei Ra-mallah wünschen es sich so sehr. Und auch unsere Hoffnungen auf einen dauerhaften
Frieden im Nahen Osten wollen wir nicht aufgeben. Am Sonntag, dem 27. Juli wurde als Ergebnis
der neu in Gang gekommenen Friedensverhandlungen der militärische Kontrollpunkt zwischen dem
Sternberg und Ramallah abgebaut. Er hatte während der letzten drei Jahre die Arbeit des
Rehabilitationszentrums sehr stark behindert, ja mitunter unmöglich gemacht. Der
„Checkpoint“ durfte
von keinem Fahrzeug passiert werden. Selbst Notfalltransporte des Roten Kreuzes ins Krankenhaus
oder zum Doktor waren nicht möglich. Israelische Soldaten erlaubten es nur, durch eine zuletzt zwei Kilometer l
ange Straßensperre zu gehen. Rollstuhlfahrer mussten geschoben werden, schwangere Frauen, alte und
behinderte Menschen zu Fuß gehen. Natürlich waren auch unsere Kinder mit Behinderungen davon nicht
ausgenommen. Da gab es kein Pardon. Vielen von ihnen wurde ebenso wie unseren Mitarbeiterinnen
und Mitarbeitern der Zugang zum Rehabilitationszentrum immer wieder verwehrt. Besonders schwierig
war die Situation während des Irakkrieges. Allerdings zerstört die gegenwärtige israelische Politik wieder
einige der neu erwachten Hoffnungen.
Arbeit in den Dörfern
Trotz dieser mühevollen Umstände haben unsere 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter versucht, die Arbeit in
den verschiedenen Abteilungen aufrecht zu erhalten und stellenweise sogar weiter auszu-bauen. Von besonderer
Bedeutung sind in dieser Situation die Aktivitäten, den behinderten Kindern und Jugendlichen vor Ort zu helfen. Unsere
Mitarbeiter unterstützen die Kinder in ihren Familien. Dies ist nicht immer einfach. Oft nehmen sie erhebliche Strapazen
auf sich, um die Familien zu erreichen.
Wir fördern 220 Kinder mit Behinderung in zehn Dörfern und arbeiten mit Ehrenamtlichen und lokal
ansässigen Institutionen zusammen. So gewährleisten wir eine Basisversorgung der Kinder.
Auch wenn es nicht einfach ist, fördern wir unsere Kinder vor Ort. Dazu gehören Sprachtherapie,
Kranken-gymnastik oder Kunsttherapie. Ziel ist es, die behinderten Kinder in ihren Familien und
Dorfgemeinschaften zu integrieren. Regelmäßig werden deshalb auch Besuche in Schulen und
Kindergärten, bei örtlichen Hilfskomitees und Frauengruppen durchgeführt. Wir geben ihnen die
entsprechende therapeutische Anleitung. Außerdem wurden zwei Erste-Hilfe-Kurse für Frauen mit
35 Teilnehmerinnen gehalten.
Damit Sie sich einen kleinen Einblick in unsere Arbeit verschaffen können, will ich Ihnen zwei Kinder
vorstellen: Anwaar und Sabah.
Anwaar kann nicht auf den Sternberg
Anwaar wurde 1991 geboren. Sie lebt in dem kleinen Dorf Safa in der Nähe von
Ramallah zusam-men mit ihren Eltern und ihren sechs Brüdern. Im Alter von drei
Jahren erkrankte sie an Meningitis. Sie ist seither schwer behindert, leidet an
Sprachproblemen und Hyperaktivität. Seit 1998 besucht sie das Zentrum auf
dem Sternberg. Wir bieten ihr ein spezielles Therapieprogramm zur
Verminderung ihrer Hyperaktivität, eine Sprachtherapie und ein Förderprogramm
zur Entwicklung ihrer Beweglichkeit, ihrer sozialen und kreativen Fähigkeiten. Während
der letzten zwei Jahre war es für Anwaar wie für andere Kinder aus der Region um
Ramallah unmöglich, das Zentrum zu erreichen. Wir haben ihr ein weiterführendes
Therapieprogramm zu Hause angeboten. Vor kurzem erkrankte sie an Krebs und
erhielt eine Chemotherapie. Dies bedeutet für sie und ihre Familie eine erhebliche psychische
und körperliche Belastung. Anwaar hat noch immer eine gute Beziehung zu ihrer
Therapeutin, wenn diese sie in Safa besucht. Sie ist glücklich, wenn sie sie sieht und
wiederholt den Namen ihrer Freundin.
Sabahs Erfolge stagnieren
Sabah kommt aus Kharabtha-Almussbah, ebenfalls aus der Region um Ramallah. Sie wurde
1990 geboren und lebt jetzt mit ihren Eltern und sieben Brüdern zusammen. Seit ihrer Geburt leidet
sie an einer leichten Behinderung, an Muskelschwäche und einer Sprachbehinderung. Aufgrund ihrer
gro-ßen Familie und aufgrund finanzieller und psychischer Probleme, konnte ihr durch ihre Familie nicht die
angemessene Hilfe geboten werden. Sabah wurde deshalb 1998 im Zentrum aufgenommen. Von den
ersten Tests an wurde deutlich, dass noch nie vorher mit ihr geübt worden war. Im Zentrum wurde fleißig
mit ihr gearbeitet, um ihre Fähigkeiten zu entwickeln, zum Beispiel die selbständige Benutzung von Toilette
und Bad, ihre Sprach- Bewegungs- und Konzentrationsfähigkeit sowie die Entwicklung ihrer Muskeln.
Es zeigten sich gute Erfolge, aber die politische Situation und die Absper-rung des Gebietes verhinderten,
dass sie dieses spezielle Programm fortsetzen konnte. Sabah ist gegenwärtig ebenfalls in ein weiterführendes
Programm aufgenommen und wird regelmäßig zu Hause besucht.
Kunsttherapie in der Schule
Für die Kinder, die den Sternberg erreichen konnten, wurde das Förderprogramm an der
Schule natürlich fortgesetzt. Etwa 22 Kinder konnten die Schule als Tagesschüler besuchen.
Außerdem kamen regelmäßig zehn Schwerbehinderte zusammen mit ihren Eltern. Weitere 15
Kinder nahmen an einem speziellen Programm teil, das sowohl eine individuelle Förderung als
auch Gruppenarbeit beinhaltet. Mit anderen Behindertenschulen im Umkreis bestand etwa 15mal
die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch z.B. über die Hilfe für durch ihre Lebensumstände traumatisierte
Kinder. Ein wichtiger Arbeitszweig ist nach wie vor die Kunsttherapie. Auch hierbei wird mit lokalen
und interna-tionalen Künstlern und Organisationen zusammengearbeitet, die auf dem selben Feld
aktiv sind. Fünf Einrichtungen, sechs Schulen und vier Kindergärten wurde bei einer Weiterbildung der
Lehrer und Mitarbeiter sowie mit verschiedenen Gruppenaktivitäten geholfen.
Praktische Ausbildung
Für behinderte Jugendliche, die älter als 15 Jah-re sind und entsprechend
weit gefördert werden konnten, werden im Zentrum Ausbildungsmög-lichkeiten angeboten.
Die praktische Ausbildung für junge Männer konzentriert sich auf verschie-dene landwirtschaftliche
Fähigkeiten, die sie in ihrem Umfeld ausüben können, weil der größte Teil von ihnen aus landwirtschaftlichen
Regionen kommt. Fünf leichtbehinderte und zwei schwer-behinderte junge Männer kommen in den Genuss
dieser Ausbildung.
Die praktische Ausbil-dung von jungen Frauen konzentriert sich auf Handarbeiten wie Nähen,
Stricken, traditionelle Stickerei, Arbeit am Webstuhl oder Arbeit mit Perlen.
Momentan erhalten zwölf behinderte
Frauen diese Ausbildung durch eine Ausbilderin und eine Assistentin. Sie kommen aus verschie-denen Dörfern
der Umgebung. Dieses neue Programm wurde zu Beginn dieses Jahres ge-startet. Hauptziel des
Ausbildungsprogramms ist es, die Behinderten durch die Entwicklung ihrer Fähigkeiten in ihre Familien
und Dorfgemein-schaften zu integrieren und ihnen eine teilweise ökonomische Unabhängigkeit zu bieten.
Junge Frauen stellen traditionelle Stickereien her
Neue Projekte
Vier neue Projekte konnten im vergangenen Jahr begonnen werden, um die Kapazitäten
des Zent-rums noch weiter zu entwickeln.
- Wir arbeiten am Bau einer Abwasseraufbereitungsanlage. Die erste Phase dieses
Projektes wird durch die japanische Botschaft finanziert.
-
Der Spielplatz des Rehabilitationszentrums soll modernisiert und erweitert werden,
um ihn den spe-ziellen Bedürfnissen von behinderten Kindern anzupassen sowie
sicherer und brauchbarer für die körperlichen Übungen der Kinder zu machen. Die
erste Phase des Ausbaus wurde bereits abge-schlossen und durch die bischöfliche
Mission in Jerusalem finanziert.
-
Aufgrund der Weiterentwicklung des Ausbildungsprogramms müssen die Gebäude
um eine neue Klasse erweitert werden, um den Bedürfnissen der neuen Auszubildenden
gerecht zu werden. Die Bauarbeiten haben begonnen und sollen nach den Sommerferien
abgeschlossen sein. Die Kosten für das Gebäude trägt „Brot für die Welt“.
-
Das Zentrum bietet auf dem Gelände seine Dienste für eine große Anzahl von
Schülern mit den un-terschiedlichsten Behinderungen an. Sie benötigen einen
sicheren und hübschen Platz zu ihrer Hilfe und für einen erfolgreichen Rehabilitationsprozess.
Ein offenes Gelände stellt eine große Gefahr für die Kinder, Besucher und Bewohner des Sternbergs
dar. Früher haben verschiedene Naturstein-mauern den östlichen, an einem Abhang gelegenen
Teil des Geländes umschlossen und begrenzt. Im Zuge von Straßenbauarbeiten wurden diese
Mauern zerstört. Die Behörden haben weder selbst eine neue Mauer gebaut noch etwas für
eine neue Mauer und die 700 m² Land, die uns verloren gegangen sind, bezahlt. Der Wiederaufbau
ist sehr wichtig und dringend, weil der gefährliche Ab-grund so schnell wie möglich gesichert
werden muss. Die Zentrale in Bad Boll finanziert einen Teil der Mauer und wir sind auf der Suche
nach Geldquellen, die einen kompletten Wiederaufbau ermög-lichen.
Die Zukunft: Frieden im Kleinen fortsetzen
Nach den Sommerferien haben wir unsere Arbeit und die weitere Entwicklung des Rehabilitations-zentrums
auf dem Sternberg fortgesetzt. Wir sind unseren Partnern und Unterstützern, die uns ge-holfen haben, das
Bisherige zu erreichen, sehr dankbar.
Die Sehnsucht nach Frieden ist groß! Die Politiker reden wieder darüber. Unter der Bevölkerung Pa-lästinas
überwiegt noch die Skepsis, ob sich die eingangs erwähnten Anzeichen für eine positive Entwicklung fortsetzen
werden. Wir wollen die Hoffnung auf Frieden nicht aufgeben und ihn durch unsere Arbeit schon heute im Kleinen
realisieren. Bitte helfen Sie uns weiterhin dabei. Schon eine kleine Spende kann Großes bewegen.
Die Kinder vom Sternberg werden es Ihnen danken.
Rawda Marouf und Volker Bach
Iseltwald August 10 , 2003
Meine Lieben!
Am Freitag waren es 7 Wochen, dass ich wieder da bin – und am Morgen erwachte
ich mit dem Gefühl “jitz geits wieder!”.
Das mag mit meiner Vorliebe für solche Zahlenspiele (7x7 Tage und Nächte nach der guten Landung in Kloten)
zusammenhängen – es mag auch nur „so sein“, dass sich meine Batterien wieder aufgeladen haben,
und zwar wie von selbst. Wie auch immer: ich mag wieder!
Erst nach dem guten Flug ab Tel Aviv konnte ich mir offensichtlich die ganze Hilflosigkeit
und die Trauer eingestehen, die ich die ganze Zeit in Palästina empfunden hatte
. Die Dauerpräsenz von Demütigung, von Entwürdigung, von
Stress und Gewalt hatten Spuren hinterlassen. Es ging mir nicht gut! - Ich hatte
in der Zeit in Palästina ganz bewusst Partei ergriffen, weil ich merkte, dass
meine Kräfte während der 3 Monate nicht ausgereicht hätten, auch Kontakte auf
der andern Seite – jenseits der Mauer, des Zauns, der Strassen-Blockaden!!! –
zu suchen und aufzubauen. Ich stellte mich total den Anforderungen des Alltags mit
den PalästinenserInnen. Mein Auftrag war ja ohnehin völlig inexistent. Es gab kein Konzept,
keine Anleitung, keine Begleitung; niemand hatte die Möglichkeit oder die Kraft, „so eine Frau“
an der Hand zu nehmen und durch den Alltag zu führen. Das führte dazu, dass ich
gezwungenermassen selber schauen musste, was „ich dort überhaupt sollte und wollte“.
HELFEN jedenfalls war es ganz sicher nicht – das war mir zum Glück schon vor der Abreise klar.
Das brauchen die Leute dort nicht.Die Lehrkräfte auf dem Sternberg sind gut ausgebildet –
und ohne Arabisch-Kenntnisse ist eine Beschäftigung mit geistig behinderten Kindern ohnehin nicht möglich.
Hie und da konnte ich in Pausen mit ihnen tanzen – am Tisch essen – mich bestaunen und wegen meinen
unbeholfenen Versuchen im Arabischen aus- od. anlachen lassen. Bei den Erwachsenen – in Anlehre im landwirtschaftlichen
Bereich und in einem Stickatelier – ging es besser. Da konnte ich „einfach“ mit-hand-werken.
Aber sonst ergab es sich bald, dass der einzig vertretbare Zweck meines
Dort-Seins eben das DA-SEIN, das DABEI-BLEIBEN, das NICHT-DAVON-LAUFEN war.
Die Menschen dort haben mir Herzen und Türen geöffnet
und mich so genommen wie ich bin. Sie haben mich dadurch reich beschenkt.
Nun bin ich wieder hier und daran, eine Fortsetzung zu finden. Ich bin motiviert,
vom Erlebten zu erzählen – eine Vision ist auch, in Bern beim Aufbau eines „Treffs“
mitzuhelfen; eines Treffs für Leute, die einen Bezug zum nahen Osten und seiner Befindlichkeit haben
– dann will ich weiterfahren mit dem Arabischlernen --- und etwas ganz Wichtiges: ich möchte den Kontakt
zu Friedens-AktivistInnen beider Seiten suchen und finden (vielleicht kann ich sogar in diesem
Zusammenhang das „Ivrit“ wieder aktivieren, das ich in den Jahren 1968 und 69 in Israel während
der Kibbutzarbeit ein wenig kennenlernte – was wirklich am Platz wäre, denn die beiden Sprachen sind sich so nahe -).
Einige Vorarbeiten sind gemacht. Wer sich für etwas interessiert, eine Adresse, einen Kontakt beisteuern kann, melde sich
doch bitte bei mir. Vielen Dank jetzt schon! Und im Winter habe ich Märchen-Anlässe im MYKE-Keller in
Bern im Sinn. Schwerpunktmässig möchte ich Märchen aus Palästina erzählen – vielleicht wird auch Margrit Moser mitmachen und
ihre Bilder beitragen – mir schwebt auch die Beteiligung einer Person aus Palästina vor, die uns sprachlich ein zusätzliches
Eintauchen in die Märchen ermöglichen könnte.
Ihr seht, äs sprätzlet wieder. Ich bin sehr dankbar. Nach wie vor habe ich sehr gerne Besuch am Berg.
Bitte kommt doch zum Zmittag – nach Voranmeldung! – und schenkt mir Eure Zeit, Euer Erzählen
(denn bei Euch ist ja die Zeit auch nicht stillgestanden), Eure Gedanken und lasst mich teilhaben an Eurem Leben.
Ich freue mich!
Sophia / Söphie / Sophiedorothea
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